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Das Piercing – Körperschmuck oder vorübergehender Trend?

Was vor Jahren noch den Punks in der Rockerszene vorbehalten war, ist in unserer Zeit gang und gäbe – Piercingstudios expandieren und wachsen quasi wie Pilze aus dem Boden. Es hört sich zwar nicht gerade schmerzfrei an, dass man dabei Körperteile bei minimaler Betäubung mit Nadeln durchstößt und da und dort mal Blut fließt, doch gerade bei jungen Leuten der modernen Zeit ist das Piercen sehr angesagt. Es muss dabei wohl nicht erwähnt werden, dass man bei der Wahl des Piercingstudios genau aufpassen sollte, an wen man sich wendet, denn das sterile Arbeiten ist Grundvoraussetzung.

Aber was genau versteht man unter “Piercen”? Bei einem Piercing wird der Körper an bestimmten Stellen durchstochen. Dies hat mitunter oft einen künstlerischen Hintergrund. Fand man diese Körperkunst vor 100 Jahren noch vorwiegend in den Stämmen der Zulus oder anderen Urstämmen, so ist es heute gar nicht selten, auf der Straße jemandem zu begegnen, der mit einem Nagel in der Zunge oder einem glitzernden Etwas im Bauchnabel durch die Straßen geht. Auch im Bereich des sexuellen Fetischs findet das Piercing viele Anhänger – so gilt beispielsweise ein Ring in Brustwarze oder in den Schamlippen als äußerst erotisch.

…erotische Hintergründe…
Eine gewisse, geheimnisvolle Sache, über die fast jeder Bescheid weiß, aber niemand wirklich offiziell spricht, ist der “Prinz Albert”, der sich nicht nur bei Punks, sondern auch bei wichtigen, hohen Persönlichkeiten, wie beispielsweise bei Rechtsanwälten, größter Beliebtheit erfreut. Angeblich sorgt dieser, da er direkt auf der Eichel angebracht ist, auch beim weiblichen Geschlecht für große Freuden. Dabei wird der Penis und auch die Harnröhre komplett durchgestochen und anschließend ein Ring eingefügt. Oft ist auf diesem Ring eine Perle angebracht, die eine zusätzliche Massagefunktion aufweist und beim Geschlechtsverkehr positive Auswirkungen zeigt. Generell geht der Trend auf jeden Fall hin zu den Piercings im genitalen Bereich. Ein Grund mag sein, dass sie nicht für jeden offensichtlich sind, ein weiterer Grund ist wohl der erotische Effekt dieser speziellen Ausstattung.

Warum ein Piercing?
Aber nach wie vor stellt sich die Frage, warum sich so viele Leute dem schmerzhaften Stechen unterziehen und auch kleine Narben dafür in Kauf nehmen. Bei manchen stellt sich – ähnlich wie bei Tätowierungen – oft sogar eine gewisse Sucht ein, und sie können mit dem Piercen nicht mehr aufhören. Ist es Masochismus, der so viele Menschen in die Piercing-Studios treibt? Zum besseren Verständnis ist ein kleiner Rückblick in die letzten Jahrzehnte sehr hilfreich, denn die Zeiten der Punk-Bewegungen waren mitunter ausschlaggebend für den neu erfundenen Trend. Bei Punkern war es nicht selten der Fall, dass man sogar Sicherheitsnadeln verwendete und in der Nase oder an anderen Körperstellen trug. Besonders verbreitet war dieser Trend in den USA in den Sechzigern. Die Gruppe der “Modern Primitives” spielte zu dieser Zeit eine ausschlaggebende Rolle und sie verbreiteten den Kult grenzüberschreitend. Bald darauf fand man in vielen Läden auch diverse Ausführungen von Piercings in Kombination mit Latex und Tattoos, die nahezu einhergingen und dieselben Zielgruppen ansprachen. Das war die Zeit, als das Piercing nicht nur als Symbol einer politischen Haltung, sondern auch ein Gegenstand bzw. Accessoire der Mode wurde.

Die tiefere Bedeutung
Doch die Bedeutung und der Sinn des Piercings sind vielschichtiger, als man anfangs annimmt. Geht man also an die Urquelle des Piercings zurück, so reichen nicht nur 20 Jahre. Ein psychologischer Hintergrund ist vorrangig das Statement, das man mithilfe der “Body Politics” abgeben kann, denn nichts verleiht mehr Ausdruck, als es am eigenen Körper zu präsentieren, über welchen jeder individuell bestimmen kann. Blickt man aber weitere Jahrtausende in die Geschichte der Menschheit zurück, so findet man eine Vielzahl von rituellen Perforierungen in den Urstämmen der Gesellschaft. So ist es kein Geheimnis, dass sich bereits die Kayapo-Indianer ihre Zungen durchbohrten und sich auch der Hohepriester der Maya mit diesem Schmuck präsentierte. Auch der Stamm der Papuas trägt seit geraumer Zeit Ringe an verschiedenen Körperstellen, wie beispielsweise an den Brustwarzen oder ziert seine Nase mit einem Knochen. Doch bei diesen Urvölkern hat dieser Körperschmuck eine ganz andere Bedeutung. Oft ist er ein Symbol des Friedens, wenn dazu Tänze stattfinden und Musik gemacht wird. Oft sieht man in Dokumentationen, dass man auf diese Art versucht, zu heilen, in dem alle Instrumente der sogenannten Heiler miteinander in Harmonie verbunden werden. Viele versetzen sich dadurch auf eine “andere Ebene” des Geistes.

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